Eine alte Website ist nicht automatisch schlecht. Und eine neue Website ist nicht automatisch besser. Die teure Fehlentscheidung entsteht meistens vorher: Jemand bestellt einen kompletten Relaunch, obwohl Struktur und Technik noch tragen. Oder ein Team flickt noch zwei Jahre an einem System, das jede vernünftige Änderung blockiert.
Dieser Ratgeber hilft dir, die drei sinnvollen Wege auseinanderzuhalten: gezielt überarbeiten, kontrolliert neu bauen oder zuerst technisch retten. Du bekommst zwölf Prüfungen, eine Entscheidungsmatrix und eine Übergabeliste für das erste Angebot. Damit kannst du auch dann sauber starten, wenn du noch kein fertiges Briefing hast.
Die Kurzantwort: retten, weiterbauen oder neu bauen?
Bevor du Farben, Systeme oder Agenturen vergleichst, ordne den Zustand der vorhandenen Website ein.
Auf dem Smartphone kannst du die Tabelle seitlich verschieben.
| Weg | Typischer Ausgangspunkt | Erster sinnvoller Auftrag |
|---|---|---|
| Überarbeiten | Die Website läuft, lässt sich pflegen und hat brauchbare Inhalte. Das Angebot ist aber unklar, Kontaktwege sind schwach oder wichtige Seiten fehlen. | Bestand prüfen, Prioritätsseiten überarbeiten, Navigation und Anfrageweg testen. |
| Technisch retten | Die Website ist gehackt, nicht erreichbar, produziert Fehler oder wichtige Zugänge und Sicherungen sind ungeklärt. | Zustand sichern, Schaden und Zugänge klären, Funktionen wiederherstellen. Erst danach über Gestaltung sprechen. |
| Neu bauen | Struktur, Technik und Inhalte blockieren sich gegenseitig. Selbst kleine Änderungen werden riskant oder unverhältnismäßig teuer. | Bestand inventarisieren, Zielstruktur und URL-Zuordnung planen, neue Website getrennt aufbauen und kontrolliert umstellen. |
Eine gute Entscheidung beginnt nicht mit „WordPress oder Next.js?“ Sie beginnt mit der Frage, was die Website für dein Unternehmen leisten muss und was vom vorhandenen Auftritt dafür noch brauchbar ist.
Zwölf Prüfungen vor dem Relaunch
1. Kannst du den nächsten gewünschten Schritt benennen?
„Moderner aussehen“ reicht als Projektziel nicht. Soll jemand anrufen, einen Termin buchen, ein Produkt finden, ein Angebot anfordern, sich bewerben oder eine fachliche Entscheidung treffen? Öffne die wichtigsten Seiten auf dem Smartphone und suche genau diesen nächsten Schritt.
Ist er bereits vorhanden, aber schlecht erklärt oder ungünstig platziert, spricht das für eine gezielte Überarbeitung. Fehlt für mehrere Zielgruppen jede klare Nutzerführung, wird eine neue Seitenstruktur wahrscheinlicher.
2. Stimmt das sichtbare Angebot noch mit dem echten Geschäft überein?
Viele Websites altern inhaltlich schneller als technisch. Leistungen wurden ergänzt, Ansprechpartner haben gewechselt, Preise und Abläufe sind anders – die Website erzählt noch die alte Version. Markiere jede Aussage, die ein Kunde missverstehen könnte.
Wenn hauptsächlich Texte, Reihenfolge und Beispiele falsch sind, musst du nicht automatisch neu bauen. Eine inhaltliche Revision kann mehr bringen als ein neues Layout auf denselben alten Aussagen.
3. Finden Besucher die richtige Seite ohne Vorwissen?
Schau nicht nur auf die Hauptnavigation. Starte auf einer Leistungsseite aus Google, auf einem Ratgeber oder einer alten URL. Ist von dort verständlich, wo man ist, welche Leistung gemeint ist und wie es weitergeht?
Ein paar falsch benannte Menüpunkte lassen sich korrigieren. Wenn Themen, Zielgruppen und Seitentypen ungeordnet ineinanderlaufen, braucht es vor der Gestaltung eine neue Informationsarchitektur.
4. Funktioniert der wichtigste Weg am Handy wirklich?
Teste nicht nur, ob die Seite „responsive“ aussieht. Öffne Menü, Akkordeons und Formulare. Tippe Telefonnummer und E-Mail an. Prüfe Fehlermeldungen, Tastaturtypen, Absendevorgang und Bestätigung. Bei Buchungen oder Shops gehst du bis zum letzten ungefährlichen Schritt.
Ein einzelnes defektes Formular ist eine Reparatur. Wiederkehrende Probleme mit Abständen, Bedienung und Komponenten deuten auf ein grundlegendes Design- oder Technikproblem.
5. Gehören Domain, Hosting und wichtige Konten wirklich dir?
Vor einem Relaunch müssen die Zuständigkeiten klar sein. Wer verwaltet Domain und DNS? Wo liegt das Hosting? Wer besitzt WordPress-Administrationszugänge, Search Console, Analytics, Mailversand und verwendete Lizenzen? Ein Login in irgendein Dashboard beantwortet diese Fragen noch nicht.
Fehlende Zugänge sind kein Designproblem. Kläre sie vor dem Neubau. Sonst hängt der spätere Start an einer alten Agenturadresse, einem privaten Konto oder einem Dienst, den niemand mehr zuordnen kann.
6. Welche bestehenden URLs haben bereits Wert?
Erstelle vor jeder neuen Seitenstruktur eine Liste der vorhandenen URLs. Ergänze, welche Seiten Klicks und Impressionen aus der Google Search Console erhalten, intern verlinkt sind oder von anderen Websites Links bekommen. Notiere außerdem Downloads, Bilder und Kampagnenziele, die weiter erreichbar bleiben müssen.
Diese Liste entscheidet, welche Adresse erhalten bleibt, wohin eine alte Seite sinnvoll weiterleitet und welche Inhalte zusammengeführt werden können. Ohne sie ist ein Relaunch ein Blindflug.
7. Ist die technische Basis wartbar?
Bei WordPress prüfst du Versionen, Theme, aktive und inaktive Plugins, individuelle Anpassungen, Fehlermeldungen, geplante Aufgaben und den Website-Zustand. Entscheidend ist nicht die reine Pluginzahl. Entscheidend ist, ob jede Erweiterung eine erkennbare Aufgabe hat, gepflegt wird und mit dem Rest zusammenspielt.
Eine gewachsene Installation kann nach einer Bereinigung stabil weiterlaufen. Wenn Theme, Builder und Sondercode so eng verklebt sind, dass Updates oder Inhaltsänderungen regelmäßig etwas anderes beschädigen, ist ein sauberer Neuaufbau oft wirtschaftlicher.
8. Gibt es eine überprüfte Sicherung und einen Rückweg?
„Das Hosting macht Backups“ ist erst dann hilfreich, wenn Speicherort, Zeitraum und Wiederherstellung geklärt sind. Vor größeren Änderungen brauchst du mindestens eine aktuelle Sicherung der Dateien und Datenbank sowie einen realistischen Weg zurück.
Die WordPress-Dokumentation zählt regelmäßige Sicherungen ausdrücklich zur Wartung. Für dein Projekt ist zusätzlich wichtig, wer die Wiederherstellung ausführt und wie lange sie ungefähr dauert. WordPress beschreibt die grundlegende Website-Wartung.
9. Weißt du, was tatsächlich genutzt wird?
Analytics beantwortet nicht jede Geschäftsfrage, aber ein paar Daten helfen: Welche Seiten werden aufgerufen? Welche Einstiegsseiten führen zu Kontakten? Wo brechen Formulare ab? Welche Downloads oder Buchungsschritte sind wichtig? Prüfe zugleich, ob das Tracking nur nach der nötigen Einwilligung startet und ob interne Besuche die Zahlen verzerren.
Fehlen belastbare Daten, ist das kein Grund, das Projekt zu stoppen. Dann hältst du vor dem Umbau wenigstens den technischen Stand, Search-Console-Daten und die wichtigsten Kontaktwege fest. So entsteht eine brauchbare Ausgangslinie.
10. Sind Datenschutz, Einwilligungen und eingebundene Dienste nachvollziehbar?
Liste externe Schriften, Karten, Videos, Analysewerkzeuge, Captchas, Formulardienste, Newsletter und Chatfunktionen auf. Prüfe nicht nur, ob ein Cookie-Banner sichtbar ist. Entscheidend ist, welche Verbindung vor der Auswahl aufgebaut wird und ob sich eine Entscheidung später ändern lässt.
Die rechtliche Bewertung gehört bei Bedarf zu einer dafür qualifizierten Beratung. Für die technische Umsetzung muss trotzdem klar sein, welche Dienste vorhanden sind und wie sie geladen werden.
11. Ist die Website mit Tastatur, Kontrast und klarer Struktur bedienbar?
Gehe die wichtigsten Seiten einmal nur mit der Tastatur durch. Ist der Fokus sichtbar? Lassen sich Menü, Formular und Akkordeons bedienen? Haben Bilder sinnvolle Alternativtexte? Sind Überschriften logisch geordnet und Fehlermeldungen verständlich?
Einzelne Mängel können gezielt behoben werden. Wenn Komponenten und Farbsystem grundsätzlich nicht zugänglich sind, gehört Barrierearmut in das neue Designsystem – nicht als Prüfung am letzten Projekttag. Die W3C-Erläuterungen zur Navigation zeigen, warum erkennbare Strukturen und wiederkehrende Wege wichtig sind.
12. Kann jemand die Website nach dem Start weiterführen?
Prüfe eine echte Alltagsaufgabe: Öffnungszeiten ändern, eine neue Leistung ergänzen, ein Teammitglied austauschen oder einen Ratgeber veröffentlichen. Wer kann das tun? Was darf dabei nicht verändert werden? Gibt es eine kurze Übergabe, einen Ansprechpartner und einen Wartungsweg?
Eine Website, die nur am Tag der Abnahme gut aussieht, ist nicht fertig. Wenn das vorhandene System diese Arbeit bereits vernünftig ermöglicht, ist das ein starkes Argument fürs Weiterbauen.
So triffst du aus den Befunden eine Entscheidung
Zähle nicht einfach rote Kreuze. Gewichte sie nach Risiko:
- Überarbeiten: Technik und Zugänge sind stabil. Die größten Probleme liegen in Inhalt, Reihenfolge, Gestaltung einzelner Seiten oder Kontaktwegen.
- Schrittweise erneuern: Teile funktionieren, andere blockieren. Dann kann zuerst die Seitenstruktur geklärt und anschließend Abschnitt für Abschnitt ersetzt werden.
- Neu bauen: Dieselben Probleme ziehen sich durch Struktur, Komponenten, Technik und Pflege. Einzelreparaturen würden den Kern nicht lösen.
- Erst retten: Bei Malware, Ausfällen, Datenverlust oder ungeklärten Zugängen wird stabilisiert, bevor ein Relaunch geplant wird. Dafür gibt es die WordPress-Notfallhilfe.
„Wir brauchen eine modernere Website.“
„Unsere drei wichtigsten Leistungen werden verwechselt. Auf dem Handy ist der Anfrageweg schwer zu finden. Die bestehenden Ratgeber bringen bereits Besucher und sollen ihre URLs behalten.“
Was beim Relaunch für Google erhalten bleiben muss
Ein Relaunch verändert häufig mehr als das Design. URLs, interne Links, Überschriften, Inhalte, Bilder, strukturierte Daten und Ladeverhalten können sich gleichzeitig ändern. Genau deshalb ist „alte Seite abschalten, neue Seite hochladen“ kein sauberer Migrationsplan.
Für wichtige alte URLs brauchst du ein konkretes Ziel. Bleibt der Inhalt bestehen, sollte möglichst auch die Adresse bestehen bleiben. Ändert sie sich dauerhaft, gehört eine serverseitige permanente Weiterleitung zum passenden neuen Ziel. Viele alte Seiten pauschal auf die Startseite umzuleiten, ist keine sinnvolle Zuordnung.
Google empfiehlt für Website-Umzüge unter anderem eine URL-Liste, eine Zuordnung alter zu neuer Adressen, aktualisierte interne Links, selbstreferenzierende Canonicals, passende permanente Weiterleitungen und die Kontrolle in der Search Console. Sichtbarkeit kann während der erneuten Verarbeitung vorübergehend schwanken. Googles Leitfaden für Website-Migrationen beschreibt den Ablauf im Detail.
Vor dem Wechsel sicherst du mindestens:
- alle indexierbaren URLs und ihren geplanten neuen Status,
- Seitentitel, Beschreibungen und Hauptüberschriften wichtiger Seiten,
- interne und relevante externe Links,
- Search-Console- und Analytics-Ausgangsdaten,
- Formulare, Buchungen, Downloads und andere Geschäftsprozesse,
- Canonical-, Robots- und Sitemap-Regeln,
- eine Liste der Weiterleitungen mit direktem Ziel.
Was in einem brauchbaren Angebot stehen sollte
Ein Angebot muss nicht jede spätere Textzeile kennen. Es sollte aber die Grenzen des Projekts sichtbar machen. Prüfe, ob folgende Punkte beantwortet sind:
- Welche Seiten und Funktionen gehören zum Umfang?
- Welche Inhalte werden übernommen, überarbeitet oder neu erstellt?
- Wer liefert Texte, Bilder, Übersetzungen und fachliche Freigaben?
- Wer kümmert sich um Hosting, Domain, Mail und externe Dienste?
- Wie werden bestehende URLs und Weiterleitungen behandelt?
- Welche Tests passieren vor dem Start?
- Was wird dokumentiert oder übergeben?
- Welche laufenden Kosten und Lizenzen entstehen?
- Wer ist nach dem Start für Updates, Fehler und Änderungen erreichbar?
Eine Lockzahl ohne diese Abgrenzung hilft dir wenig. Ein kleiner Auftrag darf günstig sein. Er muss nur ehrlich klein beschrieben sein.
Ein Briefing, das auf eine Bildschirmseite passt
Du brauchst für den Anfang kein Strategiepapier. Diese Angaben reichen für eine erste belastbare Einschätzung:
Website: [URL] Unternehmen / Angebot: [zwei bis vier Sätze] Wichtigste Besucher: [wer soll die Seite nutzen?] Gewünschte Handlung: [Anfrage, Termin, Kauf, Bewerbung, Anmeldung …] Aktuelles Hauptproblem: [konkret beschreiben] Was bereits gut funktioniert: [Seiten, Inhalte, Abläufe] Wichtige Funktionen: [Formular, Shop, Buchung, Mehrsprachigkeit …] Vorhandene Zugänge: [Domain, Hosting, CMS, Search Console, Analytics] Gewünschter Termin oder Anlass: [falls vorhanden] Offene Frage: [wobei brauchst du zuerst Klarheit?]
Schick keine Passwörter in dieses Briefing. Für Zugänge wird nach der Auftragsklärung ein eigener sicherer Weg vereinbart.
Die 12-Punkte-Prüfung als CSV herunterladen
Häufige Fragen zur Website-Überarbeitung
Muss eine Website nach fünf Jahren neu gebaut werden?
Nein. Das Alter allein entscheidet nichts. Maßgeblich sind Zustand, Pflege, technische Abhängigkeiten, Inhalte und die Aufgaben des Unternehmens. Eine ältere, gut gewartete Website kann eine bessere Grundlage sein als ein hastig gebauter neuer Auftritt.
Kann eine vorhandene WordPress-Website gerettet werden?
Oft ja. Vor der Entscheidung werden Theme, Plugins, Inhalte, Zugänge, Sicherungen und wichtige Funktionen geprüft. Ein Neubau ist sinnvoll, wenn Überarbeiten dauerhaft riskanter oder teurer wäre.
Verliert eine Website bei einem Relaunch ihre Rankings?
Ranking-Schwankungen sind bei größeren Änderungen möglich. Das Risiko lässt sich mit Bestandsaufnahme, passenden Weiterleitungen, erhaltenen Inhalten, korrekten Canonicals, einer aktuellen Sitemap und anschließender Kontrolle deutlich besser beherrschen. Eine pauschale Ranking-Garantie wäre unseriös.
Sollte die Domain beim Relaunch geändert werden?
Nur wenn es dafür einen belastbaren geschäftlichen Grund gibt. Eine neue Domain vergrößert den Migrationsumfang. Wenn Name und Domain weiterhin passen, kann der Relaunch normalerweise darunter stattfinden.
Was kostet eine Website-Überarbeitung?
Das hängt von Umfang, Zustand und fehlenden Grundlagen ab. Drei überarbeitete Leistungsseiten sind ein anderer Auftrag als eine neue Struktur, Migration, Textarbeit und individuelle Funktionen. Nach der Bestandsaufnahme sollten Umfang, Zuständigkeiten und externe Kosten getrennt benannt werden.
Kann während des Relaunchs die alte Website online bleiben?
In vielen Projekten ja. Die neue Version wird getrennt vorbereitet und geprüft. Der Wechsel erfolgt erst, wenn Inhalte, Funktionen, Weiterleitungen und technische Voraussetzungen abgenommen sind. Bei einer gehackten oder rechtlich problematischen Website kann vorher eine andere Zwischenlösung nötig sein.
Weiterführende Primärquellen:
Du willst keine Grundsatzdebatte. Du willst wissen, was sinnvoll ist.
Schick mir den Link zu deiner Website und das wichtigste Problem. Ich sortiere, ob Überarbeiten, ein Relaunch oder zuerst eine Reparatur der vernünftige nächste Schritt ist.